Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Koordinierungsstelle?

Für die Koordinierung von Angeboten für Jugendliche, die nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht keine Ausbildung gefunden haben, ihre Ausbildung abgebrochen haben oder sich in besonderen Situationen befinden, wurden Koordinierungsstellen (KOST) eingerichtet. Es gibt in jedem Bundesland je eine Koordinierungsstelle sowie eine bundesweite Koordinierungsstelle. Die Koordinierungsstellen werden vom Sozialministerium gefördert.

 

Bei der Koordinierungsstelle laufen alle Meldungen und Daten über Jugendliche zusammen. Die zuständige Koordinierungsstelle nimmt schriftlich Kontakt mit den betreffenden Jugendlichen und ihren Eltern auf, wenn sie erfährt, dass Jugendliche die Ausbildungspflicht nicht erfüllen. Sie bietet weiters entsprechende Unterstützung und führt Beratungsgespräche durch.

 

Zuständig für Jugendliche ist jene Koordinierungsstelle, in deren Gebiet der Wohnsitz der Jugendlichen liegt.

Titel: Bundesweite Koordinierungsstelle AusBildung bis 18 Erklärung: In Österreich gibt es eine bundesweite Koordinierungsstelle und neun regionale Koordinierungsstellen, in jedem Bundesland eine. Die Koodinierungsstellen setzen die AusBildung bis 18 um. Dabei helfen ihnen die regionalen Netzwerke der Unterstützung. Die bundesweite Koordinierungsstelle wird von der Bundessteuerungsgruppe und dem Bundesbeirat kontrolliert und beauftragt.

 

Hier können Sie mit der Koordinierungsstelle in Kontakt treten.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Informationen brauche?

Auf dieser Website stehen viele Informationen zur Verfügung, die häufig gestellte Fragen beantworten. Sie sind geordnet in Fragen und Antworten für

 

  • Eltern,
  • Jugendliche,
  • Schulen,
  • Organisationen und Einrichtungen,
  • Betriebe,
  • allgemeine Fragen

 

Haben Sie konkrete Fragen, welche über die auf dieser Website angebotenen Informationen hinausgehen, wenden Sie sich bitte an die Koordinierungsstelle!

Hier können Sie mit der Koordinierungsstelle in Kontakt treten!

Ab wann gilt die Ausbildungspflicht?

Das Ausbildungspflichtgesetz gilt seit 1. August 2016. Der erste betroffene Jahrgang sind jene Jugendlichen, deren Schulpflicht 2017 endet.
Die Meldeverpflichtung für Erziehungsberechtigte gilt ab 1. Juli 2017.
Die Strafbestimmungen treten erst mit 1. Juli 2018 in Kraft.

Wer ist von der Ausbildungspflicht betroffen?

Betroffen sind alle unter 18 Jahren, die die Schulpflicht erfüllt haben und sich dauerhaft in Österreich aufhalten. Das Gesetz gilt erstmals für alle Jugendlichen, deren Schulpflicht 2017 endet.

Warum kommt dieses Gesetz? Und was soll es bringen?

Bildung und Ausbildung sind der Schlüssel für eine gesicherte Zukunft junger Menschen. Dank intensiver Bemühungen in den vergangenen Jahren ist es Österreich zwar gelungen, die Jugendarbeitslosigkeit niedrig zu halten, angesichts der steigenden Qualifikationsanforderungen reicht die Ausbildungsgarantie allein aber nicht aus.

 

Während die meisten Jugendlichen nach dem Ende der neunjährigen Schulpflicht ohnehin den Schulbesuch fortsetzen oder eine Lehre absolvieren, trifft dies für eine kleine Gruppe nicht zu. Sie brechen ihren Schulbesuch oder ihre Ausbildung ab, nehmen Hilfstätigkeiten an oder ziehen sich phasenweise ganz aus den Systemen Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt zurück. Ein solch schlechter Start in das Berufsleben zieht lebenslange schwerwiegende Folgen für die Betroffenen nach sich.

 

Junge Menschen, die über keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Abschluss verfügen, haben ein dreifaches Risiko von Arbeitslosigkeit, ein vierfaches Risiko Hilfsarbeiterin oder Hilfsarbeiter zu werden und ein siebenfaches Risiko von erwerbs­fernen Positionen.

Was müssen Betriebe im Zusammenhang mit der AusBildung bis 18 tun?

Betriebe sollten ein Bewusstsein für die Situation ihrer jugendlichen Beschäftigten entwickeln. Liegt – außerhalb von Ferialjobs oder Praktika – Hilfsarbeit von Jugendlichen unter 18 ohne korrespondierenden Perspektiven- oder Betreuungsplan vor, entspricht dies nicht dem Ziel des Ausbildungspflichtgesetzes. In diesem Fall sollten Betriebe mit den beschäftigten Jugendlichen sprechen oder sich an die Koordinierungsstelle wenden.

 

Bei der Erstellung von Perspektiven- oder Betreuungsplänen für Jugendliche erfolgt erforderlichenfalls eine Abstimmung mit den Lehr- und Ausbildungsbetrieben und mit den Lehrlingsstellen. Betriebe sind aufgerufen, im Rahmen der Erstellung des Perspektiven- oder Betreuungsplans Unterstützung zu leisten und, sofern dies zweckmäßig ist, die (Wieder‑)Aufnahme oder Fortsetzung einer Ausbildung zu ermöglichen.

 

Hier können Sie mit der Koordinierungsstelle Kontakt aufnehmen.

Kann die Ausbildungspflicht nur durch Schulbesuch erfüllt werden? Oder auch durch berufliche Ausbildung?

Die Ausbildungspflicht kann erfüllt werden 

 

  • durch Schulbesuch oder privaten Unterricht,

  • durch berufliche Ausbildungen (Lehre, Überbetriebliche Ausbildung, Teilqualifikation),

  • durch die Teilnahme an vorbereitenden Maßnahmen für schulische Externistenprüfungen oder einzelne Ausbildungen (z.B. Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss oder auf Berufsausbildungsmaßnahmen),

  • durch Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen,

  • durch Teilnahme an Angeboten für Jugendliche mit Assistenzbedarf,

  • durch eine im Perspektiven- oder Betreuungsplan vorgesehene Beschäftigung.

 

Um neue Angebote oder Änderungen einzubeziehen, hat das Sozialministeriumservice  zudem künftig eine Liste jener Angebote kundzumachen, mittels derer die Ausbildungspflicht erfüllt werden kann.

In meinem Betrieb arbeiten Jugendliche unter 18 als Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen. Welche Konsequenzen hat das für mich?

Wenn die Hilfsarbeitstätigkeit nicht durch einen Perspektiven- oder Betreuungsplan seitens des Jugendcoaching oder des AMS als sinnvoll erachtet wurde, besteht eine Verletzung der Ausbildungspflicht. Über die Koordinierungsstellen muss daher ein Beratungs- und Betreuungsprozess eingeleitet werden.

 

Die betreffenden Jugendlichen dürfen das Arbeitsverhältnis vorzeitig ohne Einhaltung gesetzlicher oder kollektivvertraglicher Kündigungsfristen und -termine beenden. Die übrigen Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag bleiben unberührt.

Unter welchen Bedingungen kann ich auch in Zukunft Jugendliche als Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter beschäftigen?

Künftig ist jugendliche Hilfsarbeit erlaubt, wenn sie

 

  • neben schulischer oder beruflicher Ausbildung ausgeübt wird oder

  • explizit im Perspektiven- oder Betreuungsplan zeitlich befristet festgelegt wurde.

 

Beschäftigungen, die entsprechend einem Perspektiven- oder Betreuungsplan für die betroffenen Jugendlichen als (zumindest vorübergehend) zweckmäßig oder vertretbar angesehen werden, nur von kurzer Dauer sind oder etwa nur zur Überbrückung von Ausbildungspausen dienen, stehen nicht im Widerspruch zur Ausbildungspflicht. Während der Ferien können Jugendliche aber weiterhin Praktika oder auch Ferialjobs ausüben.

 

Liegt für eine beabsichtigte oder bereits bestehende Hilfsarbeit von längerer Dauer kein korrespondierender Perspektiven- oder Betreuungsplan vor, muss über die Koordinierungsstellen ein Beratungs- und Betreuungsprozess eingeleitet werden.

Muss ich als Unternehmer bzw. Unternehmerin einen Jugendlichen melden?

Nein. Betriebe haben keine Meldepflichten im Zusammenhang mit der AusBildung bis 18. Die Meldepflichten betreffen nur Erziehungsberechtigte, Schulen und weitere Einrichtungen.

Wieso sollte Geld in die AusBildung bis 18 investiert werden?

Menschen, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, sind häufig von Arbeitslosigkeit betroffen oder befinden sich in Beschäftigungen, die aufgrund ihrer Belastungen nicht bis ins Alter ausgeübt werden können und/oder eine niedrigere Bezahlung mit sich bringen. All dies bedeutet höhere Kosten für das Sozialsystem und niedrigere Einnahmen für den Staat. Das Nachwachsen weiterer Generationen zu verhindern, deren Potenziale nicht ausgeschöpft wurden, und gleichzeitig Folgekosten zu vermeiden, ist volkswirtschaftlich sinnvoll.

Was trägt die Wirtschaft zur AusBildung bis 18 bei?

Das Wirtschaftsministerium hat bereits 2015 eine Novelle des Berufsausbildungsgesetzes verabschiedet, bei der einerseits größeres Augenmerk auf Qualitätssicherung in der Lehrlingsausbildung und damit auch auf die Prävention von Dropouts, also auf die Vermeidung von Abbrüchen, gelegt.

 

Andererseits wurde die Teilqualifikation als spezielle Form der Lehrausbildung geschaffen. Gleichzeitig wurde das Lehrlings- und Lehrbetriebscoaching österreichweit ausgerollt. Die Unterstützungsangebote zum Erreichen eines Lehrabschlusses im Rahmen der betrieblichen Lehrstellenförderung wurden ausgebaut.

Was kostet die AusBildung bis 18?

Nach derzeitigen Schätzungen kostet die AusBildung bis 18 die Bundesregierung im Vollausbau jährlich etwa 57 Mio. Euro zusätzlich zu den bisherigen Ausgaben, die pro Jahr für die Arbeitsmarktintegration junger Menschen ausgegeben werden.

 

Zu unterscheiden ist dabei zwischen Kosten für die Struktur (Koordinierungsstellen, Ausbau des Jugendcoaching, Datenverarbeitung und Monitoring sowie Öffentlichkeitsarbeit) und Kosten, die das Angebot betreffen (Plätze in Überbetrieblichen Ausbildungen, niederschwelligen Angeboten etc.), wobei das Budget für zusätzliche Angebote bei Weitem höher ist. Darüber hinaus sind weitere 12 Mio. Euro für den Ausbau der Plätze an weiterführenden Schulen vorgesehen.

 

Kurzfristig bedeutet die Einführung einer Ausbildungspflicht also höhere Ausgaben. Mittel- bis langfristig rentiert sich das aber, da mehr Jugendliche eine weiterführende Bildung oder Ausbildung haben und sich ihr Arbeitslosigkeitsrisiko um zwei Drittel reduziert. Durch zukünftige nachhaltige, qualifizierte Beschäftigung kommt es zu mehr Steuereinnahmen und weniger Ausgaben für Arbeitslosengeld und andere Sozialleistungen.

Warum wird das Behinderteneinstellungsgesetz geändert?

Durch die gesetzliche Änderung wird die bereits bisher verfolgte Praxis, dass keine Ausgleichstaxen („Dienstgeberbeiträge“) in Angebote fließen, die nicht ausschließlich Menschen mit Behinderung zugutekommen, gesetzlich klargestellt. Die Finanzierung der AusBildung bis 18 erfolgt ausschließlich aus Bundesmitteln.

Kann ich als Unternehmer bzw. Unternehmerin bestraft werden, wenn ich Jugendliche in Hilfsarbeit beschäftige?

Nein. Betriebe, die Jugendliche in Hilfsarbeit beschäftigen, werden nicht bestraft. Sie müssen aber damit rechnen, dass die betreffenden Jugendlichen das Arbeitsverhältnis vorzeitig ohne Einhaltung gesetzlicher oder kollektivvertraglicher Kündigungsfristen und -termine beenden können.

 

Bestrafung ist generell nicht das Ziel der AusBildung bis 18 und wird immer nur das Mittel letzter Wahl sein.

 

Ziel ist es, Jugendliche in Schule oder Ausbildung zu halten bzw. sie darin zu unterstützen, Bildungs- und Ausbildungsangebote wahrzunehmen. Nur als letzte Konsequenz soll gegen Erziehungsberechtigte Anzeige erstattet werden, wenn diese nachweislich keine Verantwortung übernehmen.

Was ist mit Jugendlichen, die vor dem 18. Geburtstag mit ihrer Schule oder Ausbildung fertig sind?

Wenn eine Jugendliche oder ein Jugendlicher eine weiterführende Schule oder Ausbildung vor dem 18. Geburtstag abschließt, endet die Ausbildungspflicht, da der Zweck, nämlich ein höherer Abschluss als der Pflichtschulabschluss,  erreicht ist. Dies gilt auch bei verkürzter Lehrzeit oder mindestens zweijähriger Berufsbildender Mittlerer Schule (BMS).

Profitiert die Wirtschaft von der Ausbildungspflicht?

Die Wirtschaft und der Wirtschaftsstandort Österreich profitieren von besser ausgebildeten Arbeitskräften. Qualifizierte Fachkräfte stellen eine wesentliche Stärke des Wirtschaftsstandortes Österreich dar. Das Produktivitätsniveau ist in Österreich traditionell hoch, wofür diese qualifizierten Arbeitskräfte ausschlaggebend sind. Um dieses Niveau auch in Zukunft zu halten bzw. auszubauen, leistet die AusBildung bis 18 einen wertvollen Beitrag.