Beispiele aus der Praxis

Zlatko (17): Lehre zum Elektrotechniker

Schüler mit SchaltkreisDer 17-jährige Zlatko verfügt über einen Pflichtschulabschluss, findet aber nach der Schule keine Anbindung, weder ins Schulsystem noch in den Arbeitsmarkt. Er verbringt öfter seine Nachmittage in einem Jugendzentrum mit seinen Freunden. 

Der Jugendliche ist nicht motiviert, weil er schon länger nicht mehr in der Schule war und auch keine Arbeit gefunden hat. Eine Sozialarbeiterin des Jugendzentrums wird auf Zlatko aufmerksam und versucht, ihn für eine Ausbildung zu begeistern. Auch seine Eltern haben bisher der Koordinierungsstelle (KOST) nicht gemeldet, dass Zlatko die Ausbildungspflicht nicht erfüllt.

 

Auf Wunsch von Zlatko wird die Sozialarbeiterin des Jugendzentrums aktiv. Als die KOST von Zlatko erfährt, schickt sie ein Schreiben an Zlatkos Eltern. Außerdem wird Zlatko an das Jugendcoaching vermittelt, das ihn berät und gemeinsam mit ihm einen Perspektivenplan erstellt. Zlatko ist einverstanden, dass ihn die Sozialarbeiterin zum ersten Treffen mit dem Jugendcoaching begleitet. Im Rahmen der Beratung stellt sich heraus, dass Zlatko gerne im Bereich Elektrotechnik tätig wäre.

 

Aufgrund dessen stellt das Jugendcoaching den Kontakt zum zuständigen AMS her. Das AMS kann Zlatko nach einiger Zeit erfolgreich in eine Überbetriebliche Ausbildung zum Elektrotechniker vermitteln.

 

Bettina (15): Produktionsschule als Vorbereitung

Schülerin beim HämmernBettina (15) beginnt nach der Schule eine Lehre zur Friseurin und Perückenmacherin (Stylistin), die sie schon nach 5 Monaten wieder abbricht. Einerseits hat Bettina soziale und emotionale Defizite. Sie hat daher Schwierigkeiten im Umgang mit Kundinnen und Kunden. Außerdem kann sie Informationen nicht so gut aufnehmen.

 

Nach dem Abbruch der Lehre meldet sich Bettina nicht beim AMS, sondern verbringt einige Monate ohne Arbeit und Ausbildung zuhause. Nach 4 Monaten bemerkt die Koordinierungsstelle (KOST) aufgrund der Meldungen, die sie erhält, dass Bettina die Ausbildungspflicht nicht erfüllt. Sie  nimmt mit Bettinas Eltern Kontakt auf.

 

Das Jugendcoaching wird eingeschaltet und erarbeitet gemeinsam mit Bettina einen passenden Perspektivenplan.

Da eine Lehre für Bettina aufgrund ihrer sozialen und emotionalen Defizite zu schwierig ist, wäre eine Produktionsschule eine gute Lösung. Dort haben Jugendliche die Möglichkeit, sich auf ihre gewünschte Ausbildung vorzubereiten und versäumte Kenntnisse und Fertigkeiten nachzuholen.

 

In der Produktionsschule begleiten und unterstützen Coaches Bettina auf ihrem Weg zur Ausbildungsreife. Danach kann sie mit einer Ausbildung beginnen, die zu ihr passt und ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht.

 

Oliver (16): Kindergartenpädagoge statt Hilfsarbeiter

Hand beim SchreibenDer 16-jährige Oliver verfügt über einen Pflichtschulabschluss und hat für 1 Jahr eine weiterführende Schule besucht. Die Schule hat er jedoch abgebrochen, um im Geschäft seiner Familie auszuhelfen.

 

Nach 4 Monaten bemerkt die Koordinierungsstelle (KOST), dass Oliver keine Ausbildung oder Schule macht. Daraufhin schreibt die KOST Olivers Eltern einen Brief, in dem sie darauf hinweist, dass Oliver der Ausbildungspflicht unterliegt und jugendliche Hilfsarbeit nur in Ausnahmefällen zulässig ist.

 

Die Eltern verstehen, dass ihr Sohn nicht als Hilfsarbeiter arbeiten darf, sondern eine weiterführende Schule oder Ausbildung machen muss, bis er 18 ist. Oliver meldet sich bei der KOST, und diese vermittelt Oliver an das zuständige AMS. Dort erstellt eine Beraterin gemeinsam mit Oliver einen persönlichen Betreuungsplan, der auf seine Wünsche und Interessen genau eingeht.

 

Durch die Zusammenarbeit mit Oliver wird der AMS-Beraterin schnell klar, dass der Jugendliche eigentlich gerne in einem Kindergarten arbeiten möchte. Die AMS-Beraterin erkennt, dass Oliver das nötige Potenzial für eine Ausbildung zum Kindergartenpädagogen hat, und kontaktiert die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP). Dort kann Oliver wenig später eine Aufnahmeprüfung absolvieren.

 

Oliver kann durch die Ausbildungspflicht wieder ins Schulsystem integriert werden und seine Wunschausbildung machen.